Balkonkraftwerk kann jede*r!

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Du hast einen Balkon oder eine Terrasse? Verfügst über eine Garage, eine Hauswand oder ein Dach? Hervorragend! Damit kannst du ab sofort an der Energiewende teilnehmen. PV-Module sind einfach installiert und im Nu erntest du deinen eigenen Strom und sparst Kosten. 

Balkonkraftwerke sind der perfekte Start in die Photovoltaik, lassen sich selbst installieren, erzeugen unkompliziert eigenen PV-Strom und zahlen sich dank der niedrigen Preise innerhalb weniger Jahre aus.

Falls Du lieber einfach und multimedial das 1×1 erfahren willst dann empfehlen wir Dir: „Balkonkraftwerk – eine Einführung„. Dort findest du auch ein Glossar und zahlreiche, weiterführende Links.

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Einführung

Was sind Balkonkraftwerke?

Stecker-Solargeräte, besser bekannt als Balkonkraftwerk oder Mini-PV, sind kleine PV-Anlagen, die Sonnenlicht in Strom umwandeln und von Laien installiert werden dürfen. Einfach PV-Module aufstellen, mit dem Wechselrichter verbinden, Stecker in die Steckdose und sofort kannst du Sonnenenergie für deinen Haushalt nutzen. Hand aufs Herz: Dein Balkon-Solarstrom reicht nicht aus, um deinen gesamten Haushalt durchgehend mit Energie zu versorgen. Aber er reduziert deine Stromkosten spürbar – ab dem ersten Tag, weil du damit einen guten Teil der täglichen Grundlast wie Kühlschrank, Tiefkühltruhe, Standby-Geräte, u.v.m. abdecken kannst.

Motivation

Die Sonne ermöglicht alles Leben auf unserem Planeten und scheint jeden Tag kostenlos für alle. Mit einer PV-Anlage nutzen wir ihre Energie unmittelbar – 100 % klimaneutral und kostensparend. Zudem ist Solarstrom inzwischen die günstigste Energieform.

Jedes PV-Modul mit 400 Watt ersetzt pro Jahr die Verstromung von ca. 400 kg Braunkohle und leistet damit einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Verbesserung der Luftqualität.

Förderung

Die Stadt München fördert Stecker-Solargeräte seit Oktober 2022 mit max. 50% der Kosten. Ab 2024 mit 40 Cent pro installiertem Watt peak bis 800Wp. Das sind bis zu € 320 Förderung für Dein Balkonkraftwerk. Den Antrag kannst du hier stellen.
Auch andere Städte fördern Balkonkraftwerke. Frag doch einfach mal in Deiner Gemeinde nach!
Weitere Infos zur Förderfähigkeit von Anlagen in München und zum Verfahren findest du im Richtlinienheft zum Förderprogramm FKG ab S. 47 hier.

Wichtig: erst Antrag stellen, dann kaufen, die Rechnung muss auf die antragstellende Person ausgestellt sein!

Genehmigung

Für die Montage von Balkonkraftwerken an Brüstung oder Fassade benötigst Du eine Genehmigung.
Auf unserer Download-Seite bieten Musteranträge für Balkonkraftwerke zum Herunterladen an.

Weitergehende Informationen

Unseren Einführungsfoliensatz zum Thema Balkonkraftwerke könnt Ihr gerne verwenden, um andere Interessenten zu informieren und zu gewinnen. In unserem Montagedokument sind verschiedene Montagearten mit Vor- und Nachteilen, Anleitungen, benötigten Einzelteilen und Bildern dargestellt.

An dieser Stelle vielen Dank an alle, die uns mit Rat, Informationen und Bildmaterial unterstützt haben! Das waren Händler, Organisationen, Elektriker u.v.m. Ohne sie hätten wir das so nicht hinbekommen.

Steckbrief

  • Einspeiseleistung: Der Wechselrichter darf max. 600W (VA) Ausgangsleistung haben.
  • Umfang einer Anlage: 1-4 PV-Module (alles über 2000 Wp ist im EEG gesetzlich anders geregelt)
  • Größe eines Moduls: ca. 1,15 x 1,75 m (ca. 22kg)
  • Zubehör:  Zertifizierter Wechselrichter mit integriertem NA-Schutz (VDE-AR-N 4105), Kabel, Haltesystem bzw. passende Unterkonstruktion.
  • Anbringen/Aufstellen: auf oder am Balkon, an der Hauswand, der Garage, auf der Hütte, der Terrasse, im Garten. Und wenn du umziehst, nimmst du es einfach wieder mit.
  • Nutzung: Stecker-Solargeräte produzieren Strom für den Eigenbedarf. Überschüssiger Strom wird kostenlos ins Netz eingespeist.
  • Die Nennleistung wird in Watt Peak (Wp) angegeben. Ein aktuelles Modul hat ca. 400 Wp Nennleistung.
  • Energieernte: ca. 800 kWh/Jahr bei 800 Wp (Set mit zwei Modulen) in München.
  • Anschaffungskosten: ca. € 500,- für ein Set mit zwei Modulen, Wechselrichter und Montagematerial.
  • Kostenersparnis (Stromrechnung): € 100 bis € 200 / Jahr (bei einem Strompreis von 35ct/kWh im April 2024). Vgl. https://www.stromauskunft.de/strompreise/.
  • Lebensdauer: Module 25 bis 40 Jahre, Wechselrichter 10 bis 15 Jahre.
  • Amortisiert sich: nach ca. 5 Jahren.
  • CO2-Einsparung: ca. 400 kg mit einer 800 Wp-Anlage.
  • Gesetzliches: kann selbstständig montiert, angeschlossen und beim Netzbetreiber angemeldet werden; eine Netzeinspeisung mit Vergütung ist bei Kleinstanlagen nicht sinnvoll; deshalb weniger bürokratischer Aufwand.„Wenn kein Strom ins Netz abgegeben wird, ist das Gerät für das Finanzamt nicht relevant“. siehe:  https://www.dgs.de/news/en-detail/030317-steckersolar-geraete-und-das-finanzamt/ (03.03.2017).
  • Anmeldepflicht: muss bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden; mehr im Abschnitt Anmeldung.

Voraussetzungen

Nach diesem kleinen Überblick machen wir den nächsten Schritt. Erstmal musst du herausfinden, ob so eine Anlage für dich überhaupt möglich oder sinnvoll ist. Wir reden jetzt über einen geeigneten Sonnenplatz, den Zugang zu einer Steckdose und darüber, ob du das Vermieter*innen-Einverständnis oder das deiner Eigentümer*innen-Gemeinschaft brauchst oder auch nicht.

Hab‘ ich einen geeigneten Sonnenplatz, den ich nutzen kann?

1. Sonne: Bei günstiger Sonneneinstrahlung und vielen Sonnenstunden erntest du mehr Strom und sparst mehr Geld. Klar, Süden ist am besten, Westen und Osten ergeben auch brauchbare Erträge. Eine Nord-Ausrichtung ist nicht wirtschaftlich und wohl eher nicht sinnvoll. Wichtige Frage: Gibt es Verschattung, z.B. durch andere Gebäude oder Bäume?

© Colbalt – stock.adobe.com

Wie du deine Stromernte genau berechnen kannst, erfährst du im Abschnitt Was gewinne ich?

2. Platz: ein Balkonkraftwerk braucht Platz, pro PV-Modul musst Du mit 115x175cm rechnen. Du kannst dein Balkonkraftwerk auf der Terrasse oder im Garten aufstellen. Du kannst es auch am Balkongeländer, der Hauswand, einem Gartenhaus oder auf dem Dach anbringen.

Viele Händler bieten die für dich passende Vorrichtung zum Aufstellen oder Aufhängen als Zubehör an; siehe Abschnitt Welche Anlage passt für mich?

Hab‘ ich eine erreichbare Steckdose?

Jetzt geht’s an den Betrieb und den Anschluss ans Haus-Netz. Dafür brauchst du eine freie (ungenutzte) Außensteckdose. Diese muss natürlich an das Netz deines Haushalts angeschlossen sein, d.h. über deinen Zähler laufen. Außer du willst die Stromkosten deiner Nachbarn senken. Bitte nutze aus Sicherheitsgründen eine Einfach-Steckdose, auf keinen Fall eine Mehrfach-Steckdose! Vgl. https://www.hello-yuma.de/faq/; Abschnitt: Anschluss und Sicherheit: „Mehrfachstecker dürfen in keinem Fall verwendet werden. Hierdurch entsteht ein deutliches Gefahrenpotenzial bei den Wechselrichtern, der Steckdose und im Hausnetz.“

Sollte auf deinem Balkon keine Außensteckdose vorhanden sein, lässt sich eventuell auch ein Kabel von innen nach außen verlegen. Inzwischen gibt es auch Flachkabel für die Fenster-Durchführung von DC-Kabeln. Evt. ist es sinnvoll, mit deinem Vermieter oder deiner Vermieterin zu besprechen, ob der nachträgliche Einbau möglich ist. Vgl. dazu: https://www.pvplug.de/faq/; Abschnitt: Mietrecht / Wohnungseigentumsrecht. 

Außensteckdose (Typ Schuko) – eigenene Bilder

Muss ich Vermieter*in bzw. die Eigentümer*innen-Gemeinschaft fragen?

Wenn du dein Balkonkraftwerk fest an einer Gemeinschaftsfläche (Fassade, Balkonbrüstung, Dach) anbringen möchtest benötigst Du eine Genehmigung. Bei Aufstellung auf einer gemieteten Fläche, wie Balkon, Terrasse, Garten etc. brauchst du dafür keine Zustimmung von Vermieter*in oder Eigentümer*innen-Gemeinschaft.
Musteranträge für die Genehmigung findest Du auf unserer Download-Seite.

Mögliche Einwände könnten technische Bedenken oder auch die Verunstaltung der Fassade (besonders an denkmalgeschützten Gebäuden) sein, die sich evtl. ausräumen lassen.

Welche Anlage passt für mich?

Die Frage zum geeigneten Sonnenplatz, einer Steckdose und zum Einverständnis von Vermieter*in oder WEG ist geklärt? Und jetzt sitzt du mit rauchendem Kopf vor der Überfülle des Angebots im Internet? Lass dich nicht verwirren!

Zunächst das Grundlegende. Ein Balkonkraftwerk besteht aus:

  • 1 bis 4 Solarmodulen mit ca. 350 bis 450 Wp pro Modul
  • einem Wechselrichter mit max. 600 W (VA) Leistung
  • und dem Netzkabel mit Stecker

Jetzt lautet deine nächste Frage: Worauf achte ich bei der Auswahl und beim Kauf? – Hier ist eine Checkliste mit den wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie wird die Leistung angegeben?

Die wichtigste Angabe ist die sogenannte Nennleistung. Das ist die Spitzenleistung, die deine Anlage bei idealer Ausrichtung und Sonneneinstrahlung erzielt. Für dein Balkonkraftwerk wird sie vom Hersteller in Watt peak (Wpangegeben.
Von Stecker-Solaranlagen spricht man bei einer Nennleistung bis zu 600 Wp. Ein Modul mit 400 Wp liefert in Süddeutschland bis zu 400 kWh pro Jahr. Etwa soviel verbraucht eine große Kühl-Gefrierkombi der Effizienzklasse A+ mit einem Gesamtvolumen von 300 Litern.

Balkonkraftwerk – Welche Bezeichnungen findest du noch im Handel?

Wir benutzen den Ausdruck „Balkonkraftwerk“, weil er uns der gängigste zu sein scheint. Vgl. die Seite der DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik): https://www.dke.de/de/arbeitsfelder/energy/mini-pv-anlage-solar-strom-balkon-nachhaltig-erzeugen. Stecker-Solargerät ist jedoch zutreffender, weil es sich um ein „stromerzeugendes Haushalts-Gerät“ handelt. Deshalb gelten dafür auch vereinfachte Regelungen.

Weitere Bezeichnungen im Internet: Plug & Play, Mini Solar Anlage, Plugin Solar Anlage, Mini Solar Generator, Plugin Solar Gerät, Plugin PV Anlage, Plugin Solar Generator, Plugin PV Gerät, Micro Solar Modul, Balkon-Solaranlage, Guerilla-PV.

Auf was muss ich achten?

a)      Passen Solarmodul(e) und Wechselrichter zusammen?

Um nennenswert Strom erzeugen zu können, sollte die Ausgangsspannung (UMPP V) des bzw. der Module  im mittleren Bereich der verarbeitbaren Spannung des Wechselrichters (MPPT Voltage Range (V)) liegen. Dies lässt sich anhand der Datenblätter nachprüfen.  

Damit sich ein Balkonkraftwerk zudem rechnet, sollte die Leistung der PV-Module (Wp) größer sein als die (erlaubten max. 600 W) Ausgangsleistung des Wechselrichters.

b)     Sind die Garantieleistungen ausreichend?

Üblich sind ca. 15 Jahre Produktgarantie und 25 Jahre Leistungsgarantie bei den PV-Modulen. Bei den Wechselrichtern liegt die normale Garantiezeit bei 10 Jahren.

c)      Kann ich das Balkonkraftwerk selbst anschließen?

Sofern ein Anschlusskabel mit einem Schuko-Stecker im Paket enthalten ist, kann es selbst an eine Außensteckdose angeschlossen werden. Handelt es sich um irgendeine Art von Einspeisevorrichtung, wird eine Elektrofachkraft benötigt, was Kosten von mehreren hundert Euro verursachen kann.

d) Erfüllt der Wechselrichter die Norm VDE-AR-N 4105?

Diese Norm deckt die technischen Mindestanforderungen für Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz ab. Ohne Einhaltung dieser Norm darf der Wechselrichter und damit eure Solaranlage nicht in Betrieb genommen werden!

Welche Anlagengröße ist sinnvoll?

Ein Modul oder zwei Module? Das ist eine Platzfrage, eine Geldfrage und eine Frage der benötigten Leistung.
Gesetzlich gelten nur Anlagen bis 600 Wp als Steckersolar-Gerät. Trotzdem ist es sinnvoll die Module etwas größer auszulegen. Der für Balkonkraftwerke vorgeschriebene Mikro-Wechselrichter lässt zwar nur 600 Watt durch, aber mit einer etwas größeren PV-Leistung kannst du auch bei einer ungünstigeren Sonneneinstrahlung immer noch 600 Watt ernten, z.B. 4 statt 2 Stunden pro Tag.

Ein oder zwei Module? © hello-yuma.de

Bauweise deiner Solarmodule

Ein Solarmodul besteht aus zwei Komponenten: 1. den Solarzellen und 2. der Ummantelung. Achte auf die Unterschiede bezüglich Technologie und Bauweise!

1. Solarzellen: können monokristallin oder polykristallin sein.

  • Monokristalline Zellen hatten sich in der letzten Zeit mehr durchgesetzt – wegen des höheren Wirkungsgrads (ca. 22%) und weil sie auch bei diffusem Licht noch gute Erträge zu erzielen. Was natürlich ein Vorteil in unseren Breiten ist. Nachteil: Monokristalline Zellen sind teurer.
  • Polykristalline Module standen bisher im Ruf, nicht so gute Erträge zu liefern. Doch da hat sich mittlerweile einiges geändert. Durch die sogenannte Halbzellen-Technik ist polykristallin deutlich effizienter geworden und kann einen ungefähren Wirkungsgrad von 18% erreichen. Auch das Preis-Leistungsverhältnis lässt sich sehen. Vgl. https://www.kesselheld.de/polykristalline-solarzellen/.
monokristalline Solarzellen © anmuht.ch – stock.adobe.com
und polykristalline Solarzellen © xangai – stock.adobe.com

2. Ummantelung: Du hast die Wahl zwischen Glas/Glas oder Glas/Folie oder Dünnschicht. Wir denken, Glas/Folie reicht für ein Balkonkraftwerk aus. Wenn du auch gegen Starkhagel geschützt sein möchtest, empfiehlt sich die Glas/Glas-Verarbeitung. Sie macht die Module widerstandsfähiger, aber auch schwerer und teurer. Dünnschicht-Module sind dünner als herkömmliche Module und haben keinen Aluminiumrand. Das heißt, sie sind leichter. Zu überlegen bei Balkonen in größerer Höhe.

Gals/Folie- und Glas/Glas-Ummantelung

Welches Zubehör brauchst du?

Zum Zubehör eines Balkonkraftwerks gehören Halterungen, Montagesystem, Verlängerungskabel und Energiemesssystem.

Haltesysteme

Händler*innen bieten oft verschiedene Haltesysteme mit beigefügten Montageanleitungen zur Auswahl an. Welches für dich passt, hängt vom Montageort ab, den du auswählst: senkrecht an einem Geländer, an einem Gestell an einer Brüstung, in einem Rahmen im Garten, usw. Unser Montage-Dokument mit verschiedenen Möglichkeiten findest du ganz am Anfang kurz vor dem Inhaltsverzeichnis. Für weitere Infos vgl. https://www.homeandsmart.de/balkonkraftwerk-standorte-befestigung.

© Ew. Ed.

Die Steckdose und der passende Stecker

Es gibt zwei Varianten, wie du deine Anlage ans Haus-Netz anschließen kannst.

  • Schuko-Stecker und Schuko-Steckdose: Die deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie, das BMWK, und viele andere sind sich einig, das reicht aus. Auch der VDE will Schuko dulden. In Deutschland zugelassene Wechselrichter schalten sofort ab, wenn du den Stecker ziehst oder keine 50Hz anliegen. Daher gibt es keine Probleme für den Betreiber. Vgl. https://www.pvplug.de/faq/; Abschnitt: Elektrische Sicherheit.
  • Einige deutsche Netzbetreiber bestehen jedoch auf einer Wieland-Steckdose und bezeichnen sie als „spezielle Energiesteckdose“, gemäß der Norm VDE AR-N 4105. Unter https://www.dke.de/de/arbeitsfelder/energy/mini-pv-anlage-solar-strom-balkon-nachhaltig-erzeugen schreibt die DKE über eine „spezielle Energiesteckdose“, und bezieht sich auf die Norm VDE AR-N 4105. Für Otto-Normal-Verbraucher sind Normen nicht einzusehen, außer man ist bereit, viel Geld zu bezahlen (die Norm VDE AR-N 4105 etwa, kostet € 140,87, z.B. hier: https://www.vde-verlag.de/normen/0100492/vde-ar-n-4105-anwendungsregel-2018-11.html). Was dabei nicht kommuniziert wird:  Es scheint nur eine Steckdose dieser Art zu existieren, die Steckdose der Firma Wieland. Sie ist verkleidet, damit man nicht an die Kontakte fassen kann; und der Stecker ist ausschließlich mit Werkzeug aus der Dose zu lösen. Das heißt, sie dient dem Personenschutz. Fazit: Der Ausdruck „spezielle Energiesteckdose“ ist irreführend.
Wielandsteckdose und herkömmliche Schuko-Steckdose – eigenes Bild

Drei Anmerkungen dazu:

  • Unsere Nachbarländer wie z.B. Österreich bestehen nicht auf der Wieland-Steckdose. Vgl. etwa https://www.wienernetze.at/kleinsterzeugungsanlagen.
  • Manche deutsche Händler bieten Wieland-Verbindungen an und bleiben so VDE/FNN-normkonform. Vgl. https://www.dke.de/de/arbeitsfelder/energy/mini-pv-anlage-solar-strom-balkon-nachhaltig-erzeugen. Hier ist zwar zu lesen: „Die Anwendung einer Norm ist grundsätzlich freiwillig. Das bedeutet, man kann grundsätzlich von den technischen Vorgaben einer Norm abweichen.“ Aber: „Wird eine andere Lösung […] umgesetzt, liegt im Schadensfall die Beweislast bei dem Verantwortlichen. Er muss darlegen können, dass die von ihm gewählte technische Ausführung gleich oder besser als die Festlegungen der Norm ist.“ (Anm. d. Red. Von Freiwilligkeit kann also nicht die Rede sein. Klar, dass man da als Händler auf Nummer Sicher gehen muss).
  • Wenn du eine neue Außensteckdose installieren musst, empfiehlt die DGS (Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie) genauso die Wieland-Steckdose. Vgl. https://www.pvplug.de/faq/; Abschnitt: Elektrische Sicherheit / Muss ich eine Sondersteckdose benützen: „Wenn eine Schuko-Steckdose vorhanden ist und das Solar-Gerät den DGS Sicherheitsstandard für steckbare Stromerzeugungsgeräte DGS 0001 einhält, ist die Nutzung zulässig. Wenn eine neue Steckdose gesetzt werden soll, empfiehlt die DGS die Steckverbindung nach DIN VDE 0628-1 (Wieland RST20i3).“

Lohnt sich ein Energiespeicher?

Bisher sind Energiespeicher noch zu teuer, um sich für Stecker-Solargeräte zu rechnen. Das ändert sich langsam. Falls Du eine hohe und konstante Grundlast (> 200W) hast ist es evt. einen Versuch wert.
Im April 2023 hat Zendure mit dem SolarFlow eine entsprechende Erweiterung für bestehende Balkonkraftwerke auf den Markt gebracht. EcoFlow hat mit dem PowerStream seit Mai 2023 ein ähnliches Produkt im Angebot. Die Solix Solarbank von Anker gibt es seit Herbst 2023.

Wenn du deine Anlage allerdings als reine Inselanlage z.B. auf einer Berghütte oder in einem Schrebergarten betreiben willst, ist der Komfort, überhaupt Strom nutzen zu können eine etwas größere Investition wert. Nachzulesen, z.B. hier: https://www.effizienzhaus-online.de/stromspeicher-wann-lohnen-sie-sich/.

Und wie sieht es mit den Preisen aus?

Anfang 2024 kann man mit Kosten von ca. € 400,- für ein Set mit zwei 400Wp-Modulen und Wechselrichter inkl. 5m Anschlusskabel rechnen. Montagematerial kommt noch dazu.

© Photoschmidt – stock.adobe.com

Inklusive: Die meisten Anbieter verkaufen Balkonkraftwerke als Set. Allerdings ohne Montagematerial und DC-Verlängerungskabel von den Modulen zum Wechselrichter.

Wechselrichter: Das Preis- / Leistungsverhältnis ist bei zwei Modulen besser, weil du – wie bereits erwähnt – in jedem Fall nur einen Wechselrichter brauchst. Wechselrichter gibt es einzeln ab ca. € 100,-

Achtung Lieferung! Die ist häufig im Kaufpreis nicht ausgewiesen! Das kann zusätzlich zwischen € 40 und € 100 kosten. Vgl. https://www.homeandsmart.de/balkonkraftwerk-solaranlage-vergleich, Abschnitt: Wie wird das Balkonkraftwerk geliefert? 

Gibt es Garantien?

Wenn der Hersteller großzügige Garantien gewährt, kann das ein guter Hinweis darauf sein, dass sein Produkt zuverlässig ist. Es gibt zwei Kategorien: 1. Leistungsgarantie und 2. Verarbeitungsgarantie.

1. Die Leistungsgarantie: bezieht sich auf die Stromernte deiner PV-Module. Durchaus üblich sind Leistungsgarantien über 25 Jahre für mindestens 80% der Nennleistung (Wp). Wenn du also heute ein 400 Wp Solarmodul kaufst, sollte es in 25 Jahren noch mindestens 320 Wp leisten.

2. Die Produktgarantie: schützt vor Herstellungsfehlern und Materialproblemen. Der Industriestandard beträgt 15 Jahre, es gibt allerdings Hersteller, die sogar bis zu 25 Jahre gewähren.

Wo produziert der Hersteller?

Eine Studie der Northwestern University in Illinois ergab, dass die Umweltbelastungen bei der Herstellung von Solarmodulen in China ca. doppelt so hoch ist wie in Europa. Vgl. die Studie auf: https://isen.northwestern.edu/solar-panel-manufacturing-is-greener-in-europe-than-china. Das „Institute for Sustainability and Energy” (ISEN) ist Teil der Universität. Dabei sind die Umweltschäden, die durch den Transport aus Asien nach Europa entstehen, noch nicht eingerechnet. Produkte aus Europa dagegen gewährleisten in aller Regel höhere Sozialstandards in der Produktion.
Wer also auf nachhaltige Produkte Wert legt, sollte darauf achten, wo Solarmodule und Wechselrichter produziert wurden.

© Industrieblick – stock.adobe.com

Modulherstellung in Deutschland: Algatec Solar (Brandenburg), Antec Solar (Thüringen), AxSun Solar (Laupheim-Baustetten), Calyxo (Bitterfeld-Wolfen), Heckert Solar (Chemnitz), Meyer Burger (Freiberg), SI-Module (Freiburg), Solara (Hamburg), Solarwatt (Dresden), Sonnenstromfabrik (Wismar). Vgl. https://solar.red/deutsche-pv-module/.

Und hier ist eine Liste mit europäischen Hersteller*innen: SolarWorld, Hanwha Q Cells, REC Group, Kioto Solar, Photowatt, Victron Energy, Lorentz, ATERSA Group, Megasol Energy, Luxor Solar, Solarwatt – IBC Solar, Aleo Solar, Sunerg Solar, Hanover Solar, RECOM, Selfa, Takeaway, Isofotón, Meyer Burger. Vgl. https://solarfeeds.com/top-solar-panel-manufacturers-in-europe/.

Aber jetzt kommt leider der Knackpunkt:
Bei den oben genannten Herstellern geht es ausschließlich um die Herstellung der Module. Die Solarzellen für die Module werden mit 95 % Marktanteil in China hergestellt. Aus der Nummer kommen wir vorerst nicht raus. Schau in die Fußnote, dort haben wir einen Spiegel-Artikel zum Thema verlinkt. Vgl. https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/solarzellen-zweite-chance-fuer-made-in-germany-a-1281719.html

Ist meine Kleinstanlage sicher und geschützt?

Hierbei geht es um:

  • qualitativ hochwertiges Material,
  • den sicheren Betrieb deiner Anlage, z.B. dass du keinen Stromschlag bekommst.
  • und den Schutz deines Solargerätes vor Wind und Wetter.

Und wie erfährst du das?
Die einfachste und bequemste Art ist wohl, dich einfach vom Händler oder der Händlerin beraten zu lassen. Viele bieten außerdemKonformitätserklärungen für ihre Produkte, d.h. dass diese den geltenden Normen entsprechen.

Hier nochmal kurz die wichtigsten Punkte, um die es dabei geht:

1. qualitativ hochwertiges Material:

Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass es eine Norm-Verwirrung bei den Stecker-Systemen gibt. Viele Händler*innen bieten Geräte mit Wieland-Stecker und -Steckdose. Damit bist du auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Wenn du ein Schuko-Stecker-System wünschst, kannst du davon ausgehen, dass der Wechselrichter vom Händler das unterstützt, denn er entspricht der Norm VDE AR-N 4105. Darüber hinaus sind wichtig: ein sicheres Befestigungssystem, hochwertige Module und wetterfeste, normgerechte Kabel.

2. sicherer Betrieb deiner Anlage:

VDE-Konformität ist wichtig. Diese beinhaltet auch den integrierten NA-Schutz in deinem Wechselrichter. Es gibt ein sicheres Label, dem man auch vertrauen kann: das DGS-Label 0001, es sieht so aus: Hier nochmal abgebildet: https://www.pvplug.de/faq/

DGS-Label 0001

3. Schutz vor Wind und Wetter:

Du bringst ja deine Module + Wechselrichter im Freien an. Und da sollten die Teile schon etwas widerstandsfähiger sein. Darüber, ob ihnen Regen, Staub oder Schnee nichts anhaben kann, informieren dich die IP-Schutzklassen.

Für die gesamte Anlage ist Schutzklasse IP6X wichtig: Sie bedeutet, dass die Anlage dicht gegen Staub und geschützt vor Berührung ist.

Für die Kabel und den Wechselrichter gelten die Schutzklassen IP64, IP65 oder IP66: hierbei geht es um den Kontakt mit Wasser (also Regen oder Schnee), wobei IP 64 den niedrigsten und IP 66 den höchsten Schutz bietet.

Für deine Außensteckdose kommt die Schutzklasse IP44 zum Einsatz: u.a. geschützt gegen Spritzwasser. Vgl. dazu: http://www.etikettenwissen.de/wiki/IP_Schutzklassen.

Ertrag

Solar-Sparschwein © ag visuell – stock.adobe.com

In den letzten Jahren sind die Module sehr viel leistungsfähiger geworden. Mit einem modernen Balkonkraftwerk (zwei Solarmodule à 400Wp) gewinnst du heutzutage in unseren Breiten:

  • Energie-Ertrag: ca. 600 bis 800 kWh elektrische Energie pro Jahr.
  • Eigenverbrauch: 60-75%, entspricht 600 kWh bei 800 kWh Energie-Ertrag.
  • Stromkostenersparnis: Brutto ca. € 90 bis 200 / Jahr (bei einem Strompreis von 35 ct/kWh im April 2024).
  • Amortisierungszeit: Die meisten Balkonkraftwerke amortisieren sich innerhalb von 5 Jahren und liefern danach noch mindestens 20 Jahre kostenlosen Strom.
  • Gewinn: Wenn sich die Anlage beispielsweise nach 5 Jahren amortisiert, ergibt sich innerhalb von 10 Jahren ein Gewinn von bis zu € 1.000.
  • CO2-Einsparung: Über den materiellen Nutzen hinaus, leistest du einen wertvollen Beitrag zur Energiewende und wirst Mitglied der Klimaschutzbewegung.

Wenn du ein paar Favoriten hast und dich bereits für einen Standort entschieden hast, kannst du die Punkte 1- 5 natürlich auch genau berechnen. Los geht’s!

© michelangeloop – stock.adobe.com

Energie-Ertrag berechnen

Dabei hilft dir dieser Solar-Rechner.

Folgende Angaben brauchst du dafür:

1. Nennleistung deines Geräts in kWp (findest du beim Produkt angegeben).

Achtung! – Bei unserem Rechner musst du die kWp angeben; das heißt, du musst umrechnen! Ein Balkonkraftwerk mit 2x 400 Wp Modulen (800) hat eine Nennleistung von 0,8 kWp.

2. Ausrichtung deines Geräts zur Sonne: Gib hier deine Adresse ein und lies die Ausrichtung ab.

Ideal ist 180° Süd, aber 225° Süd-West und 135° Süd-Ost liefern auch gute Erträge. Klar, ein nach Süden ausgerichtetes Gerät bringt die größte Stromernte.

Aber Achtung! Steht ein Baum oder ein Gebäude im Weg? 10% Verschattung bringen nur noch 50% der Stromernte.

3. Neigung deines Geräts: senkrecht (z. B. wenn du es am Balkongeländer befestigst) = 90°, waagerecht = 0° Neigung. Im Süden Deutschlands sind 35° ideal.

Stromkosten-Ersparnis berechnen

Du brauchst dafür:

  • den Betrag deiner voraussichtlichen Stromernte in kWh (siehe Energie-Ertrag berechnen)
  • und den Strompreis in Cent pro kWh, den du aktuell bei deinem Stromanbieter bezahlst. Diese Info findest du z.B. auf deiner letzten Stromrechnung.

Die Rechnung lautet: Stromernte – 25% x Strompreis = Kostenersparnis.

Die 25% ziehen wir ab, da Du nicht allen erzeugten Solarstrom selbst verbrauchen wirst. Wenn du etwas anspruchsvoller rechnen willst, sieh dir auch den Stromkosten-Rechner der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie an.

Die Stromgestehungskosten für deinen Solarstrom in ct/kWh kann man wie folgt berechnen: Stromkosten in ct/kWh = Investition / (jährlicher Stromertrag * angenommene Lebensdauer)

So rechnet auch der Stromkosten-Rechner der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Damit ergeben sich für Balkonkraftwerke attraktive Kosten von 8 ct/kWh bis 13 ct/kWh.

Amortisationszeit berechnen

Das geht ganz leicht: Kaufpreis / Stromkostenersparnis (pro Jahr) = Amortisationszeit in Jahren.

Gewinn berechnen

Mit deiner ausgerechneten Stromkostenersparnis kannst du deinen Gewinn beispielsweise auf 10 Jahre hochrechnen:

Stromkosten-Ersparnis x 10 – Kaufpreis der Anlage (inkl. aller Anschaffungs-Kosten wie Zubehör, Lieferung, etc.) = Gewinn.

CO2-Einsparung berechnen

Wenn du wissen willst, wieviel du konkret an CO2 einsparst, darfst du nochmal rechnen.

Deine Stromernte x 0,4 kg 0,4 kg oder 401 g ist der CO2-Verbrauch beim Durchschnitts-Strom-Mix pro kWh in Deutschland; hier nachzulesen: https://strom-report.de/co2-deutscher-strommix/. = CO2-Einsparung

Und wie groß ist deine CO2 Einsparung gemessen an deinem gesamten CO2-Verbrauch? – Das ist auch nicht schwierig:

Der durchschnittliche CO2-Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland beträgt 11,17 Tonnen pro Jahr. vgl. https://uba.co2-rechner.de/de_DE/

Daraus folgt:

CO2-Einsparung x 100 / durchschnittlicher Pro-Kopf-Verbrauch = CO2-Einsparung in Prozent deines CO2-Verbrauchs.

Paris Smart City 2050 © Vincent Callebaut Architecture

Inbetriebnahme – Technik und Recht

Es ist soweit! Du bist stolze*r Besitzer*in deines eigenen Stecker-Solargerätes! Nach der Lieferung bzw. der Abholung kannst du es am vorgesehenen Platz montieren oder aufstellen.

© pix4U – stock.adobe.com

Bevor du deine Anlage einstecken und Sonnenstrom ernten kannst, musst du die Anlage beim Netzbetreiber anmelden und nach Inbetriebnahme im Marktstammdaten-Register der Bundesnetzagentur registrieren. Das ist recht einfach und unkompliziert.

Wir haben hier die wichtigsten Punkte zusammengestellt, wie du dein Balkonkraftwerk sicher und legal betreiben. Ausführlichere Informationen gibt es auch noch hier: https://www.pvplug.de/faq/.

Warenannahme und Montage

Achtung! Ein original-verpacktes PV-Modul ist ca. 1,75m lang, 1,15m breit und wiegt gute 20 kg (über 40 bei zwei Modulen). Für eine einzelne Person könnten Transport oder Annahme der Lieferung ein wenig mühselig werden. Für die Selbstabholung braucht man einen Transporter oder Anhänger mit ausreichender Ladefläche. Vgl. https://www.homeandsmart.de/balkonkraftwerk-solaranlage-vergleich, Abschnitt: Wie wird ein Balkonkraftwerk geliefert?

© Artalis-Kartograpie – stock.adobe.com

Kann ich mein Balkonkraftwerk selbst montieren? – Also, wir würden sagen: Ja, du kannst. – Okay, ein bisschen Heimwerker-Geschick und Hilfe von jemandem, der sowas gerne macht, können natürlich nicht schaden, wenn du mit Basteln nichts am Hut hast. Plane ca. 4 Stunden ein!

Hier haben wir eine Montage-Anleitung mit Bildern vom Solar-Info-Zentrum (S-I-Z). Da findest du alles, was du an Zubehör brauchst und was du damit machen musst. Unser Montage-Dokument mit verschiedenen Möglichkeiten findest du ganz am Anfang kurz vor dem Inhaltsverzeichnis.

Hier siehst du ein paar Leute, die sich bereits daran versucht haben. Und wir können nur sagen: YouTube für Heimwerker ist super! Was haben wir damit schon alles repariert!

Anmeldung

Deine Anlage muss bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden.

Lämpel.jpg
Wilhelm Busch: Lehrer Lämpel (aus Max und Moritz) – commons.wikimedia

Nach Inbetriebnahme fehlt nur noch, dass du dein Balkonkraftwerk im Marktstamm-Datenregister der Bundesnetzagentur anmeldest. Das ist kostenlos und unkompliziert.

© Tobias Arhelger – stock.adobe.com

Die Anmeldung beim MaStR hilft übrigens auch der Klimabewegung. Je mehr sich anmelden, desto deutlicher wird dass Voranschreiten der Energiewende sichtbar. Das hilft z.B. unseren Freunden von der Städte-Challenge „Wattbewerb“. Die Daten der Bundesnetzagentur sind nämlich öffentlich einsehbar (unter Einhaltung des Datenschutzes).

Tipps zur Anmeldung

3. Hast du einen Stromzähler mit Rücklaufsperre?

An diesem Symbol kannst du das erkennen:

Stromzählrt mit Rücklaufsperre © mpix-foto – stock.adobe.com

In diesem Fall ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Stadtwerke den Stromzähler auswechseln werden.

Wenn es dich interessiert und du als Mieter keinen Zugang zum Zählerraum hast, kannst du evtl. deine Hausverwaltung fragen, welche Art Zähler für deine Wohnung installiert ist.

Stromzähler ohne Rücklaufsperre:
Ältere Stromzähler (Ferraris-Zähler) können rückwärtslaufen, falls deine Anlage Überschüsse produziert, die du nicht selbst verbrauchst. Ein rücklaufender Zähler ist selbstverständlich weder im Sinn des Netzbetreibers noch des Gesetzgebers und ist in Deutschland unzulässig. Vgl. https://www.verbraucherzentrale.de/sites/default/files/2020-11/VZ%20NRW_Nuemann_Siebert_EEG-Anforderungen_an_Steckersolargeräte.pdf. Hier wird auf Seite 3 zum Messstellen-Betrieb darauf eingegangen. Nach Anmeldung kann jedoch die Anlage auch mit dem alten Zähler in Betrieb gehen, bis zum Tausch. 

Übrigens: Der neue Stromzähler (genauso wie der alte) ist und bleibt Eigentum des Netzbetreibers. Das bedeutet, du als Endabnehmer kaufst ihn nicht, aber hast eine jährliche Miete dafür zu bezahlen. Der neue Stromzähler (wahrscheinlich ein digitales Messsystem oder ein Zwei-Richtungszähler) kostet dich jährlich ca. € 20,-.

Nach Auskunft der SWM werden dir keine Kosten für den neuen Stromzähler und den Austausch in Rechnung gestellt und so ist es auch prinzipiell gedacht. Denn mit deiner Zählermiete bezahlst du die Gebühr für Montage, Wartung und Ablesung deines Stromzählers. Vgl. https://strom.preisvergleich.de/info/8530/zaehlermiete/: Mit Zählern für Strom, Gas, Wasser oder Heizwärme wird der Verbrauch festgestellt. Zähler bleiben übelicherweise im Besitz des Messstellenbetreibers. Die Kosten, die ihm dabei entstehen (Montage, Wartung, Ablesung) fließen als Zählermiete in die Verbrauchsabrechnung ein. Bei den SWM ist die Zählermiete im Abschnitt „Verrechnungspreis“ aufgeführt (https://www.swm.de/dam/doc/strom/preise-strom-04-2019.pdf).

In manchen Fällen kann der Netzbetreiber eine Überprüfung deiner Haus-Elektrik verlangen. Die Überprüfung der vorhandenen Elektro-Installation vor dem Anschluss eines Steckersolar-Geräts kann sinnvoll sein, wenn du in einer alten Hütte mit einer Elektrik aus den 1950er Jahren wohnst, dein Essen auf einem Holzofen kochst und einen Sicherungskasten mit alten Schraubsicherungen hast. Manche verweisen dabei auf die ausgesprochen strikt ausgelegten VDE/FNN-Normen: https://www.vde.com/de/fnn/themen/tar/tar-niederspannung/erzeugungsanlagen-steckdose. Wenn du einen modernen Sicherungsautomaten hast, ist es für Anlagen bis zu 600 Watt nicht erforderlich. Vgl. https://www.pvplug.de/faq/, Abschnitt: Elektrische Sicherheit: Darin heißt es, grob zusammengefasst: Wenn Sicherungsautomaten vorhanden sind, könnten in Deutschland pro Haushalt maximal 2,6 Ampere (600 Watt, meist zwei Module mit ca. 3m² Fläche) angeschlossen werden. Sind dennoch Erweiterungen nötig, so sind diese nach dem aktuellen Installationsstandard auszuführen und zu dokumentieren.

alter Sicherungskasten/ moderne Sicherungsautomaten
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Einstecken

Wichtig: Benutze ausschließlich eine freie (Außen) Steckdose, keinesfalls eine Mehrfachsteckdose! Vgl. dazu noch einmal https://www.hello-yuma.de/faq/; Abschnitt: Anschluss und Sicherheit: „Mehrfachstecker dürfen in keinem Fall verwendet werden. Hierdurch entsteht ein deutliches Gefahrenpotenzial bei den Wechselrichtern, der Steckdose und im Hausnetz.“

Haushaltsgeräte © DigitalGenetics – stock.adobe.com

Das ist eigentlich alles. Auf drei Fragen wollen wir jedoch noch eingehen:

1. Darf ich das alleine? – Ja.

Seit dem 27. April 2019 ist der Anschluss im sog. Endstromkreis durch Laien ausdrücklich vorgesehen. Dies ist in der DIN VDE-0100-551-1:2016-09 abgesichert.Wir haben dir ja bereits erklärt, dass Normen und Regeln des VDE/FNN-Riesen ausschließlich gegen Bezahlung einzusehen sind. Deshalb können wir hier kein Zitat liefern. Wir verweisen jedoch auf das EEG 2021, § 8, Abs. 5: „Übermitteln Netzbetreiber Anschlussbegehrenden im Fall von Anlagen mit einer installierten Leistung von bis zu 10,8 Kilowatt den Zeitplan nach Satz 1 nicht innerhalb von einem Monat nach Eingang des Netzanschlussbegehrens, können die Anlagen angeschlossen werden.“ Wir interpretieren das so, dass es grundsätzlich technisch unbedenklich ist, das Gerät selbst einzustecken.

Das heißt: Netzbetreiber und somit auch die Stadtwerke München müssen die Anbringung und Anmeldung von Stecker-Solargeräten bis 600 Watt von Laien akzeptieren.

2. Kann ich die Anlage auch in Betrieb nehmen, bevor der Zähler ausgetauscht wurde? – Ja!

Achte nur darauf, dass eine mögliche Netzrückspeisung entweder unterhalb der Messtoleranz deines Zählers liegt oder weniger als 4 % deines Bruttostromverbrauchs beträgt! – So machst du dich nicht strafbar.Vgl. dazu https://www.pvplug.de/faq/; Abschnitt: Strommessung.

Im Normalbetrieb eines Balkonkraftwerks ist eine größere Netzrückspeisung unwahrscheinlich oder selten. Deine Mini-Solaranlage produziert etwa so viel Strom, wie dein Kühlschrank verbraucht. Der Strom deiner Solaranlage fließt immer zuerst zu deinen Haushaltsgeräten. Erst wenn Überschüsse entstünden, die du nicht selbst verbrauchst, würden diese ins öffentliche Netz fließen und dein Zähler würde sich rückwärts drehen. Das wäre verboten, weil dann würdest du das öffentliche Netz quasi als Stromspeicher benützen und nur die Differenz zwischen deinem eingespeisten Strom und dem deines Anbieters bezahlen.

Beispiel: Wenn du verreist und während der Dauer deiner Abwesenheit alle Haushaltsgeräte abschaltest, würde der Strom deines Steckersolar-Geräts ins öffentliche Netz fließen. Bei einem Zähler ohne Rücklaufsperre liefe dein Zähler jetzt rückwärts, was den Straftatbestand des Betrugs erfüllen würde. Wenn du nicht den gesamten Sommer weg bist, mag in der Praxis ein solcher Betrug schwer nachzuweisen sein. Legal wird er dadurch nicht.

Auch ohne Betrugsabsicht kann es gelegentlich zu geringeren Netzrückspeisungen kommen, etwa wenn mittags niemand zuhause und der Kühlschrank der einzige Verbraucher ist.Ausführlicheres über die Wahrscheinlichkeit einer Netzrückspeisung findest du im Abschnitt Strommessung bei: https://www.pvplug.de/faq/

3. Was muss ich bei der privaten Haftschutzversicherung beachten?

Am besten checkst du, ob etwaige Haftungsansprüche über deine Haftpflichtversicherung abgedeckt sind. Vor allem bei älteren Versicherungen könnte es im Bereich Solaranlagen eine Lücke geben.Vgl. https://www.hello-yuma.de/faq/, Abschnitt: Rechtliches.

Haftungsansprüche: Du haftest für Schäden, wenn z.B die Module beim Sturm herunterfallen oder durch den Wechselrichter Hitzeschäden entstehen. 

Das heißt, in deiner Haftpflichtversicherung sollte sich solch ein Passus finden: „Gesetzliche Haftpflicht (innerhalb der Versicherungssumme) aus dem Besitz und Betrieb im selbst genutzten Risiko (Postanschrift) für eine Photovoltaikanlage inkl. Energieabgabe ins öffentliche Stromnetz.“

Sonnenstrom ernten

Wie kann ich das Stecker-Solar-Gerät am besten nutzen? Wenn du die Spülmaschine, Waschmaschine und andere sporadische Stromverbraucher am Mittag bei Sonnenschein einschaltest, dann steigt dein Eigenverbrauch und deine Ersparnis.

Wenn du vorher den Stromverbrauch am Stromzähler gemessen hast, kannst du jetzt den Erfolg und die Ernte messen.

Produziert die Mini-Solaranlage auch bei Stromausfall noch Strom?
Nein, der Wechselrichter der Mini-Solaranlage benötigt ein funktionierendes Stromnetz, um mit der Umwandlung von Gleich- zu Wechselstrom zu beginnen.

Muss die Solaranlage gewartet werden?
Nein, Mini-Solaranlagen sind über ihr gesamtes Produktleben wartungsfrei. Einzig die UV-beständigen Kabelbinder für die Befestigung der Flex Module sollten sicherheitshalber alle sieben Jahre erneuert werden.

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